Von Townsville nach Brisbane

Nun kommen wir unserem Ziel in Australien schon bedrohlich nahe...Von Townsville nach Brisbane sind es lediglich noch 1300 km wenn man dem Bruce Highway entlang radelt. Kent, unser Warmshower Host aus Townsville, begleitet uns auf dem Weg nach Süden noch bis an den Stadtrand. Ab hier geht's dann auf dem Bruce Highway weiter. Schon nach wenigen Kilometern müssen wir jedoch feststellen, dass wir hier auf der falschen Strasse unterwegs sind.

Ein LKW nach dem andern donnert an uns vorbei. Leider sind die Alternativen für die Weiterreise nach Süden mangels Strassen etwas begrenzt. Ohne wieder nach Westen fahren zu müssen ist der Highway die einzige Strasse. So mühen wir uns in zwei Tagen über Ayer nach Bowen.

In Bowen verlassen wir die Hauptstrasse und radeln nach Westen. Der Verkehr geht beinahe auf Null zurück und das Radfahren wird wieder zum Vergnügen. Wir übernachten in der „Coal Mining Town“ Collinsville. Ab hier geht's dann auf nicht geteerten Strassen weiter. Unser nächstes Ziel ist Eungella. Wir planen eine Übernachtung im Busch. Wasser können wir unterwegs aus den Bächen und Flüssen schöpfen, also keine Wasserschlepperei mehr. Während den nächsten zwei Tagen sehen wir lediglich noch etwa 5 Autos. Der zweite Tag wird dann eher anspruchsvoll. Die Strasse windet sich durch und über kleine Gebirgsketten. In Eungella erreichen wir eine Höhe von immerhin 600 m. ü. M. Die Aussicht vom Eungella Chalet über das grüne Tal, welches sich ostwärts bis beinahe an den Pazifik erstreckt, ist wunderschön.

Der Blick hinunter ins Tal verspricht eine rasante Abfahrt. Und so ist es dann auch. In kurzer Zeit erreichen wir Finch Hatton, wo wir übernachten wollen. Gerade als wir uns auf den Weg zum Campingplatz machen, werden wir von jemandem aus dem Auto angesprochen. So lernen wir Fredy aus Montreux kennen. Er lädt uns spontan zu sich nach Hause ein. Schlussendlich bleiben wir zwei Nächte bei ihm. Er zeigt uns die nähere Umgebung von Finch Hatton und bekocht uns mit feinem Essen.

Wir fahren weiter in Richtung Mackay. Je näher wir der Stadt kommen umso dichter wird auch wieder der Verkehr. Unser Besuch gilt primär einem Fahrradgeschäft. Eines der Pedale verabschiedet sich nach beinahe 20'000 km und muss ersetzt werden. Nach Sarina geht's dann am nächsten Tag. Um dem Bruce Highway aus dem Wege zu gehen nehmen wir einen grösseren Umweg mit Gegenwind in Kauf. Ab Sarina bewegen wir uns wieder landeinwärts. Der „alte“ Highway verläuft hier parallel zum „neuen“ und trifft sich mit diesem wieder in Marlborough. Wir verstehen auch bald warum man hier die Strasse verlegt hat: Gleich zu Beginn windet sich die Strasse steil auf eine Art Hochplateau hinauf. Am Abend erreichen wir den Campingplatz bei Lotus Creek, ungefähr auf halbem Weg zwischen Sarina und Marlborough. Die Strecke nach Marlborough wird dann noch anstrengender. Bis am Abend überqueren wir etwa drei Gebirgsketten. Ein guter Grund einen Ruhetag in Marlborough einzulegen.

Der Highway-Verlauf zwingt uns ab Marlborough die geteerten Strassen wieder einmal zu verlassen. Ohne Autos und Trucks rattern wir durch wunderschönes Station Land nach Süden. Frühzeitig vor Sonnenuntergang ziehen wir uns Wasser aus einem Bach...oder war es eher eine Kuhtränke..und stellen unser Zelt mehr oder weniger am Strassenrand auf. Autos hören oder sehen wir an diesem Abend keine mehr. Am Morgen bietet sich ein uns eigentlich vertrautes aber doch eher unerwartetes und lange nicht mehr gesehenes Naturschauspiel. Die ganze Landschaft liegt unter einer dichten Nebeldecke. Der ganze Nebelspuk ist aber bereits vorbei als wir um 8 Uhr in die Pedale zu treten beginnen. Bald schon haben wir wieder Teer unter den Rädern und nach einigen Kilometern erreichen wir unser Tagesziel: Mount Hay. Neben dem Campingplatz gibt es hier auch noch eine Miene. Wer will kann selber bunte Steine suchen und dies auch gleich schleifen und polieren lassen.

Auf dem Weg nach Biloela machen wir eine kurze Pause in Dululu. Glücklicherweise geht die einzige Regenschauer an diesem Tag genau dann nieder als wir im Pub drin sitzen.

Vor Biloela beginnt sich dann die Landschaft zu verändern. Wo bisher braunes Gras und indische Kühe rummarschiert sind, finden sich hier Weizenfelder. Kurz vor Bilo wird sogar Baumwolle angepflanzt.

Die folgende Nacht verbringen wir in Calliope. Das Spezielle an der Fahrt hierhin war unser 20'000 km Jubiläum. Belohnt dafür werden wir mit einer längeren Abfahrt.

Wir radeln weiter in Richtung Monto. Bei Many Peaks beginnt die Strasse zu steigen und der Teer geht in Gravel über. Nach einem abartig steilen Aufstieg, die Strasse war hier immerhin wieder geteert, beginnt exakt dann der Regen als wir wieder auf dem Schotter sind. Unsere Fahrräder sehen nach kurzer Zeit aus wie betoniert. Als wir Kalpowar erreichen hat sich das Gewitter zwar wieder beruhigt, aber leider müssen wir feststellen, dass sich hier entgegen dem Campingplatz Symbol auf unserer Karte kein Campingplatz befindet und vermutlich auch nie einer war. Das Dorf weckt eher den Anschein als würden hier nur noch ein paar wenige Geister leben. Zu bereits vorgerückter Stunde und schwindenden Kräften sehen wir uns gezwungen noch 36 km bis nach Monto zu fahren. Mit dem Eindunkeln erreichen wir den Zeltplatz. Der folgende Tag bringt uns bis nach Eidsvold. Hier verbringen wir einen Ruhetag. Ein tolles Ereignis ist die morgendliche Vogelfütterung auf dem Campingplatz. Dutzende von Galah's und regenbogen farbenen Papageien streiten sich um die Sämereien. Die Weiterreise entlang des Burnett Rivers, vorbei an zahllosen Orangen- und Mandarinenplantagen, bringt uns über Mundubbera nach Gayndah.

In zwei weiteren Tagen geht es dann über Biggenden nach Gympie. Seit wir Ende April in Perth zum letzten mal so richtigen Regen gesehen haben war es bis hierhin mehr oder weniger trocken. Mit der Trockenphase ist es dann erst einmal vorbei. Am selben Abend als wir ankommen regnet es wieder einmal so richtig zünftig. Zu unserem Schrecken müssen wir feststellen, dass es mit der Dichtigkeit unseres Zeltes nicht mehr zum Besten bestellt ist. Genau an den Stellen wo wir vor einiger Zeit die Nähte repariert haben läuft das Wasser rein und tropft aufs Innenzelt. Unsere Rettung ist die 2$ Folie die wir zu Beginn unserer Australien Tour gekauft haben. Nach einem weiteren regen bedingten Ruhetag radeln wir durch eine hüglige grüne Landschaft nach Noosa Heads, wo wir unsere Freunde aus Melbourne wieder treffen. Sie verbringen hier im wärmeren Queensland ihre „Winterferien“. Wir geniessen ein paar Tage ohne Fahrrad fahren dafür schlafen wir wieder einmal in richtigen Betten.

Dann ist es soweit: Unsere letzte Fahrradetappe zurück nach Brisbane steht bevor. Der Tag beginnt noch gemütlich auf Radwegen und Fahrradstreifen entlang der Sunshine Coast. Je näher wir dann aber gegen Brisbane vorankommen umso dichter wird der Verkehr und umso schmaler scheinen die Strassen zu werden. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir Bray Park. Trevor und Anya heissen uns willkommen.

Unsere Australien Umrundung ist geschafft. 20'800 Kilometer liegen hinter uns. Wir sind wieder dort angelangt wo wir vor 11 Monaten gestartet sind.

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