Von Colchane nach Arica
Samstag, den 26. April 2008 um 00:00 Uhr
Colchane - Arica, oder die sogenannten "Tage der Haerte". Die Etappe von Chusmiza nach Colchane hat uns bereits einen Vorgeschmack auf die nun folgenden Tage gegeben. Die erste Etappe auf dem chilenischen Altiplano ist eine unserer Kuerzesten. Wir fahren lediglich 20 km bis zur Thermalquelle vor Enquelga. Uns empfaengt ein windgeschuetzter Zeltplatz mit Baenken und Tischen und einem Thermalbecken mit leider nicht allzu heissem Wasser. Bei 35 Grad bleibt man nicht gerade stundenlang im Wasser liegen. Dafuer kann man das Wasser aus dem Schwimmbecken trinken. In der Nacht raubt uns fuer einmal "noch nicht" die Hoehe den Schlaf, sondern Maeuse die unsere Packtaschen inspizieren wollen... Anfaenglich wollten wir eigentlich nach einem Plan von http://www.irisentoreopreis.nl/ die Strecke von Colchane bis Putre zuruecklegen. Da wir uns aber nach dem ersten Etaeppchen den Rest des Tages vor einer lauwarmen Thermalquellle gelangweilt haben, entschliessen wir uns am naechsten Tag gleich bis zum Salar de Surire durchzufahren. So langsam beginnt sich nun auch wieder die Hoehe bemerkbar zu machen und zur allgemeinen Motivation muessen wir auch noch die Wassersaecke beim letzten Trinkwasserfluss vor dem Salar auffuellen. Denn beim Salar de Surire gibts kein Trinkwasser. Kurz vor dem Salar fahren wir an einer Kolonie Vizcachas vorbei. Die kangorooartigen Tiere lassen sich ganz aus der Naehe beobachten. Etwas spaeter gabelt sich die Strasse und stellt uns vor die Entscheidung einen langen Weg mit vielen Hoehenmetern zu nehmen, oder einen viel kuerzeren mit weniger Hoehenmetern aber mit einer "illegalen" Durchfahrt durch Bolivien. Wir entscheiden uns fuer die illegale Variante. Etwa nach einer Stunde erreichen wir ein eingezaeuntes Mienenfeld und wissen somit, dass wir wieder auf chilenischem Boden stehen. Von dem kleinen Pass wo sich das Minenfeld befindet hat man eine wunderbare Aussicht auf den Salar de Surire. Nun gehts bergab auf sandigen Pfaden der dampfenden Thermalquelle von Poloquere entgegen. Schnell ist das Zelt im Schutze einer Steinmauer aufgestellt und nichts wie rein in die heisse Schwefelbruehe. Hier variert die Wassertemperatur irgenwo zwischen 20 und vermutlich etwa 60 Grad je nachdem wo man sich hinlegt. Das warme Bad war zwar angenehm aber dafuer riecht ab jetzt mehr oder weniger alles nach faulen Eiern.... . Am Morgen herrscht eine Affenkaelte. Die Thermometer zeigen -8 Grad an. Doch mit den ersten Sonnenstrahlen waermt sich die Luft schnell auf. Wir fahren im Gegenuhrzeigersinn um den Salar de Surire. In diesem Gebiet leben hunderte von Vicunas, Lamas und Flamingos auf ueber Meter ueber Meer. An diesem Tag kaempfen wir uns durch die duenne Andenluft bis Guallatire vor. Leider hat die Unterkunft der Guardaparque bereits Winterurlaub und somit muessen wir unser Zelt auf den harten Parkplatz vor der Unterkunft stellen. Guallatire liegt am Fusse des gleichnamigen rauchenden Vulkanes. Auf dem Weg zum Lago Chungara begleitet einem die Kulisse des beinahe perfekt kegelfoermigen Vulkans Parinacota. und auf gut halbem Weg kommt man an einer weiteren Thermalquelle vorbei die so heiss is dass man beinahe nicht ins Wasser reinkommt. Die ideale Kreislaufbelastungsprobe auf 4500m . Nach einem weiteren Paesschen gelangt man dann nach einer kurzen Abfahrt auf die sog. "Internationale Strasse" welche Arica mit La Paz verbindet. Hier spiegelt sich die Kulisse des Parinacota im Wasser des Lago Chungara. Wir stellen unser Zelt bei den Guardaparque am See auf. Nach Putre ist die Strasse wieder einmal casi plano...und somit erreichen wir nach einigem rauf und runter irgendwann das Dorf am Rande des Altiplano. Putre liegt "nur noch" auf 3500 Metern und verspricht somit wieder einmal Schlafen ohne Erstickungsattacken. Aber dafuer drohen im Hotel die massiven Anballungen von Wolldecken einem zu erdruecken.. . Der letzte Streich folgt sogleich: Bereits vor einigen Tagen haben wir unsere Radreise mental in Arica beendet und somit ist dann auch die heutige Etappe die Letzte fuer diese Reise. Nach 3500 Metern Abfahrt stehen wir mit unseren Fahrraedern in Arica. Hinter uns liegen etwas mehr als 5 Monate, ca. 9000 km Strecke, ca. 90'000 Hoehenmeter und ca 640 Stunden Radfahren. Da stehen wir nun, mit einem lachenden und einem weinenden Auge...(jetzt bloss nicht zu sentimental werden)...Die verbleibenden 3 Wochen vor unserer Rueckreise ueber Lima verbringen wir mit morgendlichem Joggen mit diversen Strassenhunden, Spanischkurs, leckeren Dingen essen, Ausfluegen, und "Nichts Machen",...usw.
Ultimative Gruesse Ursula und Philippe
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Von Iquique nach Colchane
Dienstag, den 22. April 2008 um 00:00 Uhr
Unsere zweite Nacht in Iquique verbringen wir in einem ruhigen Hotel. Aber trotz der Ruhe sind unsere Tage in Iquique gezaehlt...in den groesseren Staedten, wozu man Iquique durchaus zaehlen kann, haelt es uns nicht so richtig. Die bevorstehenden Tage sind zwar nicht besonders ermutigend: Richtung Osten fahren heisst hier zuerst einmal wieder die Wueste zu durchqueren und etwa 3000 Hoehenmeter hinaufzufahren bis die Landschaft wieder einigermassen "gruen" ist und einem einige Fixpunkte zum hinschauen bietet.. . Von Iquique gehts zuerst steil bergauf bis Alto Hospizio, einer Art Vorort von Iquique, danach ist Wueste angesagt. Nach einigen Stunden erreichen wir die Ruta 5. Auf der Panamericana fahren wir an diesem Tag noch weiter bis Huara zum "Residencial" Manuelito. Gluecklicherweise gibt es in Huara diese Unterkunft. Somit koennen wir vor dem naechsten Tag noch einmal "erholsam" in einem Bett schlafen. Ab Huara steigt die Strasse in Richtung bolivianische Grenze zwar nicht steil an aber stetig und das den ganzen Tag durch. Nach 70 km haben wir 2000 Hoehenmeter ueberwunden und sind froh in den Cabanas von Luis Carvajal Perez eine Bleibe fuer die Nacht zu finden. Etwas zu optimistisch nehmen wir den naechsten Tag in Angriff...theoretisch fehlen uns von Chusmiza (3200 m) bis Colchane (3600 m) nur noch 400 Hoehenmeter und nach Aussage von Luis ist es "casi plano".Aber es kommt anders: Eigentlich sollte die Aussage"casi plano" von einem Eingeborenen jeden Suedamerikaradfahrer aufschrecken lassen, aber irgenwie ignorieren wir das Ganze. Und siehe da: Die Steigung nehmen Ueberhand und das "casi plano" ist wieder einmal ein uebler Autofahrerscherz. Am Abend in Colchane zeigen unsere aufsummierten Hoehenmeter 1500 an.... .
Ursula und Philippe
Von San Pedro de Atacama nach Iquique
Donnerstag, den 10. April 2008 um 00:00 Uhr
Die Landschaft auf diesem Abschnitt setzt sich primaer aus den folgendenden 4 Dingen zusammen: Staub, Steine, Sand und Muell... . Nach San Pedro de Atacama wird der Radfahrer wieder vor eine harte Pruefung gestellt. Radfahren heisst hier im Norden von Chile Wuesten zu durchqueren....von einer "Oase" zur naechsten "Oase", wobei man sich beim Begriff Oase nicht taeuschen lassen darf: Eine Oase assoziert man ja in der Regel mit etwas schoenem....hier sind es mehr oder weniger schreckliche Staedte... . Nach San Pedro de Atacama steigt die Strasse erst einmal ca. 1000 Hoehenmeter an. Bis Calama gehts dann "nur" noch den Berg hinunter...toent gut...wenn da nur der Wind nicht waere....Der kommt hier wie am Jamapass so ab Mittag auf und verstaerkt sich zeitweise so stark, dass man sich ploetzlich in einem kleineren Sandsturm befinden kann... . Mit etwas Kaempfen auf den letzten 20 km erreichen wir schliesslich Calama. Noch bevor wir die Stadt erreichen haben wir auch bereits den passenden Uebernahmen fuer die Stadt gefunden: Die fliegende Muellhalde. Durch den starken Wind verteilt sich die halbe Muellhalde in der umgebenden Landschaft... . Calama lebt vom Kupfer. Dies wird einem spaetestens dann klar wenn man die gigantischen Abraumhalden der 16 km entfernten Mine Chuquicamata sieht. Die "tortas de ripio" nehmen aehnliche Ausmasse an wie die umliegenden Berge. Das Kupfer wird durch Elektrolyse aus den kupferhaltigen Mineralien gewonnen. Der dazu benoetigte Strom kommt ueber mehrere Hochspannungsleitungen aus dem am Meer gelegenen Tocopilla. Nach einem Ruhetag in Calama fuert unsere Route dann direkt an Chuquicamata vorbei nach Tocopilla. Wiederum steigen wir frueh morgentlich erst einmal etwa 700 Hoehenmeter hinauf, und fahren dann, noch ohne Wind, runter bis zur Kreuzung der Ruta 5. Hier steigt die Strasse zur Kueste leider noch einmal leicht an.... und das ist natuerlich genau der richtige Moment um den Gegenwind hochzufahren. Harzig bewegen wir uns auf die Kante zur Abfahrt an die Kueste zu. Schlussendlich rollen wir in der vom Erdbeben im November zerstoerten Stadt ein. Es bietet sich ein schlimmes Bild. Trink- und Abwasserversorgung der gesamten Stadt wurden zerstoert. Der groesste Teil der Bewohner lebt in vom Militaer errichteten Holzbaracken. Mit etwas Glueck finden wir ein Hotel das von dem Beben mehr oder weniger verschont geblieben ist. Die Stadt wird "leider" dominiert von den weiter oben erwaehnten Kraftwerken. Hier stehen gleich mehrere Kohle und Gaskraftwerke nebeneinander....und zwar nicht die von der Sorte mit den Rauchgasfiltern.... . Zwischen Tocopilla und Iquique gibts nichts ausser Pazifik mit Dunst auf der Linken Seite und steil aufragenden Wuestenbergen auf der rechten Seite. Dank der konstanten Brise vom Meer zum Land ist somit wenigstens fuer angenehme Temperaturen gesorgt. . Unser Tagesziel setzten wir etwas vor halben Weg nach Iquique fest: Punta Loa. Hier befindet sich auch die Polizeistation und ein Restaurant. Begleitet von unzaehligen Pelikanen und Moewen entlang der Kueste erreichen wir Punta Loa. Unsere Hoffnung hier eine Bleibe fuer die Nacht zu finden zerfaellt damit, dass es kein Wasser fuer die Dusche und fuer die WC-Spuelung hat....wir fahren noch etwa 40 km weiter, kaufen in einer kleinen Fischersiedlung noch Getraenke, und stellen dann unser Zelt im Sand der von Muell uebersaehten Kueste auf....toll...im Reisefuehrer hat sich die Beschreibung dieses Kuestenabschnittes irgendwie romantischer angehoert.... . Bis Iquique gehts dann weiter vorbei an Petflaschen Plastiksaecken, Bierflaschen...usw. Eine angenehme Abwechslung bieten die vielen Seevoegel die sich gluecklicherweise nicht vom Abfall verscheuchen lassen. . In Iquique lassen wir uns im Ho"Stall" Casablanca nieder, welches wir am naechsten morgen fluchtartig verlassen...Diesmal sind es nicht die kleinen Mitbewohner die uns den Schlaf rauben sondern ausgewachsene Chilenen die die halbe Nacht durch rumgroehlen.... .
Gruesse Ursula und Philippe
San Miguel de Tucuman - Cachi
Mittwoch, den 02. April 2008 um 00:00 Uhr
Von Cachi nach San Pedro de Atacama
Mittwoch, den 02. April 2008 um 00:00 Uhr
Eigentlich wollten wir urspruenglich einmal ueber Salta und Jujuy den Jama Pass in Angriff nehmen.....als wir aber realisiert hatten dass wohl einer der interessantesten Abschnitte der Ruta 40 ueber einen 4895 Meter hohen Pass auch zur Jamapassstrasse fuehrt, waren unsere Plaene schnell geaendert...Somit verbringen wir zwar einige Tage mehr in der "Hoehe", aber immerhin koennen wir die bis Cachi gemachten Hoehenmeter behalten..... . Von Cachi nach La Poma (am Fusse des Passes Abra el Acay) fuehrt die Ruta 40 durch ein wunderschoenes Flusstal entlang von verschneiten um die 6000 Meter hohen Bergen. Entgegen der Fehlinformation, dass es in La Poma einen Zeltplatz gibt, existiert hier aber eine gute (sauber und gutes Essen) Hosteria. Wir kaufen hier noch unseren letzten Proviant vor San Antonio de los Cobres ein und nehmen die etwas "abgefahrene" Bergstrecke in Angriff. Unser Ziel ist eine Kurve bei einem Baechlein auf ca. 4000 Meter Hoehe. Die Strassen- oder Wegverhaeltnisse an diesem Tag sind abartig: An etwa drei Orten ist die Strasse komplett weggeschwemmt, etwa sechs mal queren wir mit Schuhe Ausziehen den Bach und etliche Male schieben wir die Bikes durch Kies- und Sandabschnitte. Die Auskunft vom Chef der Hosteria war dann auch wirklich pefekt. In der Kurve neben der "Strasse" stellen wir unser Zelt auf und waschen uns sogar mit dem klaren Wasser des Baches. Wir verbringen eine ruhige Nacht...ohne Atemrythmusstoerungen und aehnlichen Hoehennebenwirkungen..... . Die Strasse verbessert sich dann auf den letzten 900 Hoehenmetern gluecklicherweise etwas...hier gibts immer weniger Wasser und somit kann auch der Bach sein zerstoererisches Werk nicht mehr im gleichen Umfang ausueben. Zufrieden und mehr oder weniger ausgepumpt erreichen wir den Pass....ab hier gehts runter auf das 3800 Meter ueber Meer gelegene San Antonio de los Cobres. Im schmutzigen Minendorf angekommen fragen wir, wie so ueblich in Argentinien, gleich nach dem teuersten Hotel. Diese Strategie zeigt sich wieder einmal als richtig..sauber, gemuetlich und gutes Essen... . Von San Antonio de los Cobres queren wir in Richtung Norden um moeglichst schnell wieder Teer unter die Raeder zu bekommen. Diese "Querung" erweist sich dann aber als ein etwas sandiges Abenteuer....unseren Plan Susques in einem Tag zu erreichen verfliesst buchstaeblich im Sand des Altiplano. Immerhin erreichen wir das Doerfchen Cobres, wo wir uns noch einmal mit Wasser und etwas Proviant eindecken koennen. Unterkunft gibts hier keine. Wir campieren in der Puna etwas ausserhalb von Cobres. Der naechste Tag bringt dann endlich die Erloesung: Nach noch mehr Sand und Kies erreichen wir schliesslich die Passstrasse des Jama. In flottem Tempo aber mit ein paar kleineren Steigungen gehts weiter bis Susques. Der naechste Tag fuehrt uns durch rel. oede Landschaft ueber den Salar de Olaroz zur argentinischen Zollstation Jama. Freundlicherweise duerfen wir hier in einer Art Flugzeughangar, vom Wind geschuetzt, unser Zelt aufbauen. Hier ist die letzte Moeglichkeit vor San Pedro de Atacama etwas einzukaufen. Neben Coca und Bica gibts hier alles was man als Radfahrer sonst noch so essen kann....Komisch: Der Handel mit Coca ist hier zwar illegal, der Konsum jedoch nicht, aber das Zeug wird direkt bei der Polizeistation im Kiosk verkauft..... . Von hier wollen wir in zwei Tagen San Pedro de Atacama erreichen, denn so langsam macht sich die Schwaechung durch die andauernde Hoehe und die gebrachte Leistung bemerkbar. Etwas Sorgen macht uns der starke Wind der jeden Tag etwas frueher und jeden Tag etwas heftiger zu blasen beginnt. Aus diesem Grund starten wir rel. frueh. Fuer heute sind 50 km geplant. Ziel ist der Mirador (Aussichtspunkt) beim Salar Aguas Calientes. Gleichzeitig mit dem Aufkommen des Windes erreichen wir diesen auch....jedoch ist der Boden zu schlecht und der Wind zu stark um das Zelt aufbauen zu koennen....tja, dann schlafen wir eben draussen...trocken sollte es jedenfalls bleiben. Was wirklich Stoert an diesem Abend ist nicht die Kaelte (das Thermometer sinkt am fruehen Morgen immerhin auf -9 Gard ab), sondern der Wind der einem dauernd feinen Staub und Sand in die Augen und den Schlafsack weht... . Fuer heute stehen 110 km bis San Pedro auf dem Programm...wobei aber 40 km Reine Abfahrt von 4500 Meter auf 2400 Meter sind....das laesst hoffen. Mit letzten psychischen und langsam auch physischen Kraeften erreichen wir die Kante . Der maechtige Vulkan Licacanbur zur Rechten und eine phaenomenale Weitsicht ueber den Salar de Atacam begleiten uns auf der Abfahrt nach San Pedro de Atacama....und noch was: zum letzten mal muessen wir hier die bekloppten chilenischen Fruechte- und Zollformalitaeten ueber uns ergehen lassen. Und noch was: Vermutlich fahren wir noch nach La Paz.... Und noch was: Die franzoesische Panaderia bei unserem Campingplatz ist der absolute Hammer  Und noch was: Morgen gehts weiter in Richtung Pazifikkueste....
Gruesse Ursula und Philippe
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